Glasfenstergestaltung Andreaskirche Mühlacker-Dürrmenz

Direktbeauftragung Angelika Weingardt, Bühlerzell/Stuttgart

Das alte und das neu gestaltete Südfenster

Stichworte der Künstlerin zum Entwurf

 

Der künstlerische Entwurf entwickelte sich aus zwei Hauptaspekten heraus:
1. das Thema: Ostern bzw. Auferstehung und
2. der Chor-Raum als solcher.

Die Ostertexte der Evangelien: eher unspektakulär, vor allem menschlich; Leere, Zweifel, Missverständnis, spätes, allmähliches Erkennen und Begreifen, wie ein Nebel, der sich langsam lichtet bzw. umgekehrt die Leere, die sich langsam füllt.
Der gesamte Innenraum der Kirche: zwar nicht überladen aber unruhig und disparat; der Chorraum bietet die Möglichkeit, innerhalb der Kirche ein in sich stimmiger Ort ohne Ablenkung zu werden, ein Ort, der Stille und Gebet fördert.

 

Sowohl inhaltliche als auch formale Aspekte führten zur Farbe Weiß. Die Farbe Weiß enthält, wenn auch nicht sichtbar, alle Spektralfarben; Weiß als Metapher für Licht an sich. Die Farbe Weiß im Glas ermöglicht Übergänge von klarer Transparenz bis hin zu dichter Transluzenz.  Die Trennung zwischen Innen und Außen soll in den Fernstern nicht thematisiert werden sondern – im Gegenteil – abgeschwächt werden, um so den Gedanken der Diaphanie aufzugreifen: die Durchdringung, Durchscheinung des Seienden. 

 

Eine Öffnung des Ostfensters würde eine Blickachse vom ehem. Friedhof vor dem Westeingang quer durch die Kirche hin zum Osterfenster schaffen; die Umrisse eines kleinen Kruzifixes im unteren Teil des Osterfensters: Karfreitag wird in Erinnerung gerufen; er ist außerdem eine Reminiszenz an den momentan im Chor befindlichen großen Kruzifix. 

 

Der Entwurf geht nicht von Fenstern als „Bildträger“ aus, sondern davon, dass sie Teil eines Ganzen, des Chorraums, sind; durch die behutsame Gestaltung und Handhabung des natürlichen Lichts könnte der Chorraum neue Bedeutung innerhalb des gesamten Kirchenraums bekommen. 

 

Technisches: Vorgesehen ist für alle drei Fenster eine Isolierverglasung mit Sicherheitsglas als äußere Scheibe und mundgeblasenem Opalglas als innere Scheibe, welches auf eine Trägerscheibe unsichtbar verklebt wird (mundgeblasene Gläser gibt es nur bis zu Abmessungen von 60x90 cm); eine Isolierverglasung ermöglicht eine Montage direkt in den Mauerfalz ohne umlaufenden Metallrahmen, was wiederum ein wichtiger künstlerischer Gesichtspunkt des Entwurfs ist: ein sichtbar umlaufendes Rahmenprofil bekäme etwas Bilderrahmenhaftes und würde den Ansatz des Entwurfs konterkarieren; die Übergänge von transluzenten zu transparenten Bereichen werden durch Ätzung erreicht und durch Auswahl geeigneter Stellen im Opalglas unterstützt. 

 

Text und Fotos: Angelika Weingardt

 

 

 

Die alte, geschlossene Chorraum-Situation mit dem beherrschenden Kruzifix und die neue mit geöffnetem Ostfenster, im Fenster unten ein Kruzifix-Zitat.