Ein ganzes Jahr lang: Rosalies Lichtwirbel in Sindelfingen

In Sindelfingen stehen mehrere Liegestühle bereit für ein Lichterlebenis an trüben Wochenendtagen. Rosalie konnte im ehemaligen Hochregallager des Schauwerks Sindelfingen ihre bisher mächtigste Lichtskulptur realisieren. 15 Meter hoch und bis zu 8 Meter breit ist das kinetische Objekt, das von der umlaufenden Galerie aus über vier Etagen hinweg in unterschiedlichsten Blickwinkeln wahrgenommen und erlebt werden kann. Aber eben auch ganz entspannt am Boden von einem Liegestuhl aus.

Das Licht fließt, blitzt, strömt und schwebt durch die hängenden, wirbelnden und vielfach zu stilisierten Blüten gesteckten "Lichtschläuche". Computer steuern das Farb- und Lichtspiel in einem Loop von 25 Minuten. Es beginnt mit Weiß, in das sich Steingrau mischt, dann fließen Blautöne ein, Orangetöne verwandeln die Skulptur in einen Feuerball, sie gehen über ins Violette und Türkise, plötzlich verwandelt sich alles in einen Goldregen und schließlich in einen hängenden Garten aus Grün- und Weißtönen.  Die Bodenbedeckung wirkt wie ein schwarzer See, in dem sich die Himmelsblumen spiegeln.

Aus integrierten Lautsprechern strömen Kläge hinzu, in Rhythmus und Lautstärke wohldosiert - eine eigenständige Sound-Komposition von Matthias Ockert: "Cool Tune", 2016. Sie basiert auf Lichtdaten aus der Beobachtung von Transneptunialen Objekten durch das Herschel Teleskop. Ein faszinierendes sinnliches Erlebnis!

13. März 2016 bis 12. März 2017
Text und Fotos: Johannes Koch

 

 

(Ich weiß nicht, warum dieses Programm hier die hochformatigen Fotos beim Hochladen dreht. Werde mich in den nächsten Tagen beim Medienhaus erkundigen!)

                                                                                                                                                                                                                                                                

Gerhard Richters Auseinandersetzung mit dem Holocaust

Vier Fotografien bildeten den Ausgangspunkt. Richter war es wichtig, die Sicht von Opfern auf die Taten der Verbrecher zugrunde zu legen. Richters Arbeitsweise bringt es mit sich, dass die Fotos durch mehrere Schichten von Farbe abgedeckt werden, "bis ich das Gefühl hatte, hier kann ich nichts mehr tun".

Der unmittelbare Zugriff aufs Thema missrät laut Richter in aller Regel und "wird albern", wie Ausstellungsprojekte und Bücher mit dem Titel "Der Holocaust in der Kunst" beweisen. Bei Richter sind die Ausgangsfotos kein wirklicher Bestandteil des Bildes mehr. "Die Bilder sind den Fotos gewidmet", könnte man sagen. "Sie entsprechen ihrer Stimmung".

Richter hat fotografische Ausschnitte aus den vier Tafeln zu neuen Bildtafeln zusammengefügt. Auch sie sind in Baden-Baden zu sehen. Erweitert wird die Ausstellung durch Arbeiten von Carl Andre, Adolph Gottlieb, Imi Knoebel, Sol LeWitt, Willem de Kooning, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Clyfford Still und Andy Warhol unter der Überschrift "GROSSE ABSTRAKTION".

Bis 29. Mai 2016
Text und Fotos: Johannes Koch

Gerhard Richter im Museum Frieder Burda, Baden-Baden

"BIRKENAU", vier Bilder über Fotografien von Häftlingen aus dem KZ Birkenau

Auch die zugrundeliegenden historischen Häftlingsfotos werden in der Ausstellung gezeigt.

                                                                                                                                                                                             

Verlängert auf unbestimmte Zeit: Münster-Scanning in Ulm

Vor 125 Jahren wurde in Ulm der höchste Kirchturm der Welt im Stil der Gotik fertiggestellt. Der Stuttgarter Lichtkünstler Joachim Fleischer macht dessen filigrane Struktur bei Dunkelheit erlebbar. Mit seiner Installation "Münster-Scanning". Sie ist noch bis Jahresende zu sehen. Mindestens.

Kritik kam von Ulmern, die sich Spektakuläreres erwartet hatten: ein Feuerwerk der Farben, ein Lichtspiel, das den Blick unwillkürlich in die Höhe zieht. Das tut Fleischers Lichtinstallation zwar, aber sie will nicht überwältigen, sondern abtasten und dabei die Architektur erfahrbar werden lassen.

Licht ist für Fleischer Mittel für einen Erkenntnisprozess. Er sieht's als Materie, die einen Raum füllt und leert und auch aus dem Raum herausfällt. Er arbeitet grundsätzlich mit weißem Licht, das die Summe aller Farben darstellt.

Am Münsterturm bespielt er die Höhe von 70 bis 160 Metern. Mehr als ursprünglich vorgesehen. Die sechs großen Lichtquellen bewegen sich auf horizontalen Schienen, die 1,5 Meter in den Innenraum und 2 Meter nach außen ragen. Eine besondere Herausforderung stellte die Voraussetzung dar, dass der Stein des Turmes nicht angetastet werden durfte. Die leitenden Chips auf den Lichtschienen müssen ständig wassergekühlt werden, die sechs Akrylglasabdeckungen mussten aus je einem Block herausgefräst werden, ein Prozess der pro Abdeckung drei Tage in Anspruch nahm. Da sie sich bei schwankenden Temperaturen um bis zu sechs Zentimeter ausdehnen können, sind sie schwimmend gelagert. 40 bis 50 Mal im Jahr schlägt der Blitz in den Münsterturm ein. Fleischer, der den Blitzschutzfachleuten ihre Sorglosigkeit nicht abnahm, schützte jedes einzelne Element. Zur Installation Ende Dezember 2014 wurden bei einer Außentemperatur von Minus 25 Grad drei Industriekletterer benötigt.

Joachim Fleischer führt am Freitag, 11. Dezember, selbst auf den Turm. Treffpunkt ist um 15.50 Uhr am Münsterportal. Karten zu 12 Euro gibt es nur im Vorverkauf an der Münsterkasse.

 

Text und Foto: Johannes Koch