150jähriges Gründungsjubiläum 2007

Den Vereinsgründern ging es vor 150 Jahren um eine angemessene Gestaltung von Gottesdiensträumen und um die Förderung von Kunst im Raum der Kirche. Als Aufgabe des Vereins nennt die historische Satzung: "Den evangelischen Gemeinden des Landes zu dienen indem er, insbesondere zur richtigen und würdigen Ausstattung von Kirchen und sonstiger zur Abhaltung von Gottesdiensten dienender Räume, mit Rat und Tat behilflich ist.

 

"Die Gründungsmitglieder lehnten den staatlich verordneten Kirchenbau ab. Die in den für die Staatseinnahmen zuständigen Behörden quasi von der Stange entworfenen 'Kameralamtskirchen' empfanden sie 'wie Heuschober': zu profan, zu unästhetisch und nur vom Zweckdenken bestimmt. Ziel war es dem Religiösen angemessene Gotteshäuser zu gestalten, die sich an mittelalterlichen Baustilen orientieren sollten. Ein frühes wichtiges Beispiel für den Einfluss der Vereins war der Bau der neugotischen Johanneskirche am Feuersee in Stuttgart ab 1865", berichtet Reinhard Lambert Auer, Kunstbeauftragter der evangelischen württembergischen Landeskirche.

 

Bis heute nimmt der Verein maßgeblich auf Kirchenbau und Kunstverständnis Einfluss, so zum Beispiel vor zwei Jahren bei der umfassenden Neugestaltung der Martinskirche in Oberesslingen, eine der erwähnten Kameralamtskirchen, bei der künstlerischen Ausstattung bei der großen Innenrenovierung der Stuttgarter Stiftskirche oder dem Neubau des "Sophie-Scholl-Gemeindezentrums" in Schwäbisch Hall.

 

Neukonstituierung 1993

Mit der Neukonstituierung 1993 änderte die Mitgliederversammlung den Namen. Aus "Verein für christliche Kunst" wurde "Verein für Kirche und Kunst". Die neugewählte Bezeichnung signalisiert bei aller Kontinuität Offenheit für die Gegenwartskunst und ihre aktuellen Entwicklungen. Innerhalb der Landeskirche konnten auf Initiative des Vereins das Vollzeit-Amt des Kunstbeauftragten und die "Stiftung Kirche und Kunst" eingerichtet werden. Eine vermehrte Beratung und die Förderungen von Wettbewerben führen zu einem veränderten Qualitätsbewusstsein in den Kirchengemeinden. Intensive Kontakte ermöglichen es auch, junge Künstlerinnen und Künstler in innovative Projekte einzubeziehen. Exemplarisch steht hierfür "Das Kolloquium Glasgestaltung Frauenkirche Esslingen". 17 junge Künstlerinnen und Künstler erarbeiteten und diskutierten in einem experimentellen Forum neue Möglichkeiten der Fenstergestaltung in historischen Räumen. Kooperationspartner war die Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

 

1.500 Mitglieder

Mit seinen rund 1.500 Mitgliedern gehört der Verein zu den größten Kunstvereinen im Land. Ihm gehören Kunstinteressierte, Architekten und Künstler an; den größten Anteil bilden die Kirchengemeinden. Gemeinsames kulturelles Anliegen ist die Sensibilisierung für das künstlerische Erbe der Kirche sowie für die Bedeutung der Kirchenräume und ihrer Ausstattung. "Glaube vermittelt sich immer in kulturellen Formen. Weil wir ständig auf der Suche nach zeitgemäßen, neuen Bildern und Ausdrucksweisen sind, müssen wir in der Kirche 'ästhetische Kompetenz' entwickeln und uns dem Dialog mit gegenwärtigem Kunstschaffen stellen", so Pfarrer Johannes Koch vom Vorstand des Vereins. Dass diese Erkenntnis verstärkt in die kirchlichen Aus- und Fortbildungsprogramme eingebracht wird, ist eines der Ziele, die sich der Verein gegenwärtig setzt.

 

Jahrestagung und Atelierbesuche

In die Öffentlichkeit tritt der Verein mit Veranstaltungen wie dem "Boller Bußtag der Künste" (Kooperation mit der Evangelischen Akademie Bad Boll) und den Jahrestagungen an unterschiedlichen Orten sowie Atelierbesuchen. Jährlich erscheint die Mitgliederzeitung "Dialog", in unregelmäßigen Abständen auch größere Publikationen, teilweise als Jahresgabe an die Mitglieder. Aus Mitgliederbeiträgen und mit der Unterstützung der Stiftung "Kirche und Kunst" fördert der Verein Ausstellungen, Wettbewerbe, Restaurierungen und Neuausstattungen in Kirchengemeinden. "Zustifter zu gewinnen, die langfristig eine von der kirchlichen Finanzentwicklung unabhängige Kunstförderung ermöglichen, ist ein weiteres Ziel des Vereins in diesem Jubiläumsjahr", sagte Jo Krummacher, Vorsitzender des Vereins von 1993 bis 2007. 2. Vorsitzender ist der Esslinger Künstler Bernhard Huber. Im Beitrat sitzen außerdem weitere namhafte Künstlerinnen und Architektinnen.