Strukturen in Neon

Chris Nägele greift in ihrem Entwurf für den Kirchenraum der Markuskirche bestehende, architekturimmanente Lichtquellen auf und setzte ihnen komplementäre oder alternative Strukturen in Neon gegenüber. Zum einen konzentriert sie sich auf zwei bunte, bleiverglaste Fenstertypen: Die Form der runden Fenster, dem farbigen Oberlicht in den Seiten des Kirchenschiffs, wiederholt unter den Arkaden als pastellgrüne Lichtkreise.

 

Die Künstlerin: „Reduziert auf ihre schlichte Grafik flankieren sie die Reihen der Kirchenbänke und hellen den Kirchenraum bei Dunkelheit deutlich auf. Von Bedeutung ist hierbei auch, dass die Zahl Acht neben der Form des geschlossenen Kreises ein Sinnbild der ewigen Seligkeit und des geistigen Kosmos ist. Das Drillingsfenster auf der Empore über dem Haupteingang wird verborgen. Die bunten Fenster werden durch passgenaue Holzzuschnitte abgedeckt werden. Auf diesen Tafeln verlaufen Neonröhren in zwei Farben, die ein eigenständiges und unabhängiges Formenspiel aufweisen. Durch die bunte Bleiverglasung gefärbtes Tageslicht wird an dieser Stelle durch zwei Farben, grünes und rosafarbenes Neonlicht, ersetzt. Statt Farbenreichtum steht hier die Lineatur der Neonröhren im Vordergrund, welche sich im mittleren Fenster durch Überschneidungen verdichten. Die genannten Holzzuschnitte fungieren als Montagegrundlage der Neonarbeit. Der dritte künstlerische Eingriff erfolgt zentral, im Altarraum, vor der Orgel auf der Höhe der Pfeifen. Auch hier wird ein Lichtkreis aufleuchten, der jedoch endlos nach außen fortsetzbar ist, also den Ausschnitt einer Spirale zeigt, die sich ins Unendliche hinein öffnet. Dieser Lichtkreis ist einerseits die Mitte und Fluchtpunkt der Kreise unterhalb der Arkaden und erinnert andererseits an das ursprüngliche Lichtkonzept des Chorraumes; denn hinter dem Orgelprospekt verbirgt sich ein kreisrundes Fenster, welches vor dem Umbau das Kruzifix von hinten beleuchtete.“