Grußwort

Die enge Verbindung von Kirche und Kunst lässt sich bis in die früheste Zeit der Christenheit zurückverfolgen. Auf den ersten Blick begegnet sie uns in Kirchenräumen. Ob wir nun eine romanische Basilika, eine barocke Abteikirche oder einen modernen Kirchenraum anschauen, immer kommt darin die religiöse Auffassung der jeweiligen Epoche zum Ausdruck. Weitere Kunstwerke wie die Kirchenausstattung, die Bilder und Kirchengeräte runden das Bild ab. Unser christlicher Glaube ist maßgeblich von der Kunst beeinflusst, die wir in unserer Kirche kennen und schätzen gelernt haben. Denn die Religion kann nicht nur über den Kopf vermittelt werden, sondern sie muss auch über die Sinne erfahrbar werden.

 

Dabei hat Kunst eine zweifache Funktion: Einerseits kann sie Glaubensinhalte verdeutlichen, andererseits kann sie uns aber provozieren und zum Nachdenken herausfordern. Jede dieser gegensätzlichen Seiten ist wichtig, denn auch der christliche Glaube braucht beides: den Halt und die Konfrontation. Wer heute Schwierigkeiten hat, ein zeitgenössisches Kunstwerk zu verstehen, sollte bedenken, dass neue Kunstrichtungen zu jeder Zeit eine Herausforderung für die Zeitgenossen gewesen sind. Auch das Phänomen, dass eine Kunstrichtung aus der Mode kommt und erst nach Jahrzehnten wieder entdeckt und anerkannt wird, ist nicht neu und begegnet uns in der Geschichte immer wieder.

 

Dem Thema Kirche und Kunst hat sich der Verein verschrieben, dessen 150jähriges Jubiläum wir in diesem Jahr feiern. Heute, in einer Zeit der medialen Überfülle, hat die Frage, was denn nun kirchliche Kunst sei, nichts an Aktualität verloren. Was kann uns dazu veranlassen, uns mit dem Glauben auseinanderzusetzen? Wie in so vielen Bereichen geht es dabei um die Wertschätzung von Kunstrichtungen und –gegenständen aus allen Epochen. Deshalb hat der Verein heute eine ebenso wichtige Aufgabe wie zur Zeit seiner Gründung im Jahr 1857, welche er durch Ausstellungen, Vorträge und sonstige Veranstaltungen erfüllt.

 

Von Anfang an hat sich das Haus Württemberg für den „Verein für christliche Kunst“ eingesetzt. Aus dieser alten Verbundenheit heraus habe ich gerne die Schirmherrschaft über die Jubiläumsveranstaltungen des nunmehrigen „Vereins für Kirche und Kunst“ übernommen. Mit Ihnen allen freue ich mich über zahlreiche interessante Veranstaltungen und Begegnungen.

 

Herzog Friedrich von Württemberg